Im finalen Teil unserer Serie zu den Robotik-Trends 2025 geht es um ein Thema, über das man wohl ganze Bücher schreiben könnte: Der Arbeitskräftemangel und wie Robotik und Automatisierung dem entgegenwirken können.
Es ist kein Geheimnis, dass viele Industrienationen mit Fachkräftemangel zu kämpfen haben, so natürlich auch Deutschland. Genauso ist seit Jahren bekannt, dass Roboter einen wertvollen Beitrag leisten können, um dem entgegenzuwirken.
Heute wollen wir genauer darauf eingehen, wie Roboter gegen den Fachkräftemangel helfen können.
Es ist wohl kaum möglich, dieses umfangreiche Thema in all seinen Facetten zu beleuchten, aber wir wollen zumindest einen Überblick geben: Wir sprechen darüber, wie der Fachkräftemangel Unternehmen bedroht, warum der Einsatz von Robotern notwendig ist und warum die aktuellen technologischen Trends so wichtig sind im Kampf gegen den Arbeitskräftemangel.
Wir haben viel vor, also steigen wir direkt ein.
Der Fachkräftemangel als reale Bedrohung für Unternehmen
Der Fachkräftemangel ist eine zentrale Herausforderung, mit der wir in Deutschland schon seit Jahren zu kämpfen haben. Verschiedene Studien bestätigen, was für die meisten Unternehmen Alltag ist: Es fehlt an qualifizierten Arbeitskräften.
Eine Studie des ifo-Instituts vom September 2022 hat ergeben, dass in fast neun von zehn Unternehmen die Auswirkungen fehlender Arbeitskräfte zu spüren sind, eine Zahl, die auch ein VDMA-Bericht vom April 2022 unter befragten mittelständischen Mitgliedsunternehmen bestätigt. Laut VDMA sind die Mechatronik, die spanende Metallbearbeitung und die Maschinen- und Betriebstechnik am meisten betroffen.
Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert, dass 2027 rund 728.000 Fachkräfte in Deutschland fehlen werden. Neben Verkauf, Kinder- und Krankenpflege befinden sich auch industrielle Tätigkeitsfelder wie Bauelektrik, Bauplanung und Lagerwirtschaft in den Top 10 der am meisten betroffenen Berufsgattungen.
Die Auswirkungen sind weitreichend – lange Wartezeiten, überarbeitetes Personal, Unzufriedenheit bei Angestellten und Kunden zugleich und im schlimmsten Fall Geschäftsschließungen, welche vor allem klein- und mittelständische Unternehmen bedrohen.
Robotik und Automatisierung spielen eine zentrale Rolle im Kampf gegen den Fachkräftemangel, auch das ist bekannt. Doch die Zahlen und Prognosen zeigen, dass noch nicht genügend Roboter eingesetzt werden, um die Lücke zu schließen. Noch immer ist hier viel ungenutztes Potenzial.
Wir überspringen an dieser Stelle die Einsatzmöglichkeiten von Robotern, da wir auf diese bereits in vergangenen Beiträgen mehrmals eingegangen sind. In diesem Beitrag sind die Einsatzgebiete zusammengefasst.
Stattdessen schauen wir uns an, wie Arbeitnehmer zum Einsatz von Robotern stehen und wie Roboter die Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland erhalten.
Hohe Akzeptanz und klare Vorteile der Robotik am Arbeitsplatz
Im Vorfeld der automatica 2025 wurde der automatica Trendindex erhoben. Es wurde eine Umfrage unter Arbeitnehmern in fünf Ländern (Deutschland, China, USA, UK und Japan) durchgeführt, pro Land wurden je 1.000 Teilnehmer bevölkerungsrepräsentativ befragt.
Dabei ergab sich, dass 77 % der befragten Deutschen den Einsatz von Robotern befürworten, 80 % wünschen sich, dass Roboter gefährliche und monotone Aufgaben übernehmen und 75 % sehen Roboter als Mittel gegen den Fachkräftemangel.
Das zeigt: Die Akzeptanz für den Einsatz von Robotern ist eindeutig gegeben, und der Großteil der Arbeitnehmer erkennt, dass Automatisierung eine gute Maßnahme ist, um Arbeitende zu entlasten und dem Personalmangel entgegenzuwirken.
Der automatica Trendindex 2025 geht auch darauf ein, wie Roboter zur Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland beitragen. Auch wenn Deutschland im weltweiten Vergleich immer noch zu den Top-Nationen im Bereich Roboterdichte und eingesetzte Roboter gehört, gibt es doch Grund zur Alarmbereitschaft: China hat Deutschland 2023 bei der Roboterdichte im produzierenden Gewerbe überholt und ist nun mit 470 Robotern pro 10.000 Fabrikarbeiter auf Rang 3, während Deutschland mit 429 Robotereinheiten auf Rang 4 abgerutscht ist. Japan liegt knapp dahinter mit 419 Robotern.
Diese Zahlen sind dem World Robotics Report zu 2023 der International Federation of Robotics entnommen – es wird spannend sein zu sehen, ob und was sich 2024 verändert hat.
Klar ist: Deutschland mag zwar weit vorne mitspielen, was Robotik angeht, aber wir dürfen uns nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. Es muss weiter in Automatisierung investiert werden und auch von der Politik müssen Anreize für den Einsatz von Robotern kommen. Auch muss die Marke Robotik Made in Germany gestärkt und die Forschung und Entwicklung unterstützt werden.
Das ist nicht nur nice-to-have, sondern angesichts des Fachkräftemangels dringend notwendig. Zudem hilft ein gestärkter Mittelstand der gesamten Gesellschaft.
Auch wenn es nach wie vor finanzielle und organisatorische Hürden für viele klein- und mittelständische Unternehmen hinsichtlich der Implementierung von Robotern gibt, so gibt es doch einen großen Hoffnungsschimmer: Der technologische Fortschritt macht Roboter immer einfacher, intelligenter und intuitiver und verringert so viele Einstiegsbarrieren.
Der technologische Fortschritt als Treiber der Automatisierung
Wir werden an dieser Stelle nicht explizit darauf eingehen, welche Technologien und Innovationen den Fortschritt in der Automatisierung prägen, da sich diese gesamte Beitragsreihe mit genau diesem Thema beschäftigt hat.
Lesen Sie hier gerne unsere Zusammenfassung der fünf größten Robotiktrends in 2025.
Stattdessen legen wir den Fokus darauf, wieso diese Stufe der Robotik-Evolution so wichtig im Kampf gegen den Fachkräftemangel ist.
Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto klarer wird es, dass Aussagen wie „Roboter nehmen uns die Arbeit weg“ nicht nur falsch sind, sondern auch komplett die tatsächliche Realität vieler Firmen außer Acht lassen: Es ist mehr als genug Arbeit da, aber es fehlt an Arbeitskräften. Es geht nicht darum, die menschliche Belegschaft zu ersetzen, sondern sie zu entlasten.
Einer der Gründe, wieso es an Fachkräften mangelt, ist, dass viele Arbeiten schlichtweg unattraktiv sind: Kaum jemand möchte noch monotone Arbeiten erledigen, wo tagein, tagaus der gleiche Handgriff gemacht wird. Das ist Arbeit für Roboter, nicht für Menschen.
Wer also auf Roboter setzt, macht den eigenen Betrieb viel attraktiver und füllt Produktionslücken. Lange war die Robotik aber eine Technologie, die vor allem für kleinere Unternehmen zu teuer oder kompliziert war, da Implementierung und Einarbeitung vor allem bei komplexeren Aufgaben langwierig sein können.
Die technologischen Fortschritte der letzten Jahre kombiniert mit der Tatsache, dass KMU zu einer Hauptzielgruppe für viele Roboter- und Toolhersteller geworden sind, senken diese Einstiegshürden und machen Robotik zugänglicher für ein breiteres Publikum. Einfachere Aufgaben können schnell und kostengünstig automatisiert werden, und auch kompliziertere Arbeiten können beispielsweise durch Robots-as-a-Service rentabel und niedrigschwellig umgesetzt werden.
Zusammengefasst könnte man sagen: Fachkräfte sind schwierig zu finden, und Roboter waren lange Zeit noch schwieriger zu integrieren, vor allem für den Mittelstand. Durch die neuen Technologien und Geschäftsmodelle ändert sich das jetzt. Automatisierung wird massentauglich, und kann dadurch einfacher den Fachkräftemangel auffangen, als es noch vor ein paar Jahren der Fall war.
Fazit und Ausblick: Roboter gegen den Fachkräftemangel
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Roboter weit mehr sind als nur eine Antwort auf den akuten Arbeitskräftemangel, mit dem Industrienationen wie Deutschland konfrontiert sind. Sie erweisen sich vielmehr als ein entscheidender Motor für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation. Obwohl Deutschland im internationalen Vergleich bei der Roboterdichte weiterhin eine führende Position einnimmt, zeigt der Aufstieg Chinas die Notwendigkeit weiterer Investitionen und politischer Anreize.
Die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und der Trend hin zu einer immer einfacheren Implementierung, unterstreichen das Potenzial der Robotik, menschliche Arbeitskräfte zu entlasten. Benutzerfreundlichen Technologien ermöglichen eine schnelle und effiziente Implementierung in verschiedenen Branchen und machen Roboter auch für Einsteiger zugänglich.
Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter wird entscheidend sein, um den Herausforderungen des Arbeitsmarktes zu begegnen, die Produktivität zu steigern und gleichzeitig die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Damit sind wir am Ende unserer Reihe zu den Trends in der Robotik 2025 angekommen.
Wir haben uns mit zwei der größten Zukunftstechnologien, Künstliche Intelligenz und humanoide Roboter beschäftigt und haben uns dann angeschaut, wie Robotik einen wichtigen Beitrag im Bereich Nachhaltigkeit leisten können. Im vorherigen Beitrag ging es dann um die neuen Geschäftsfelder und -modelle, die erschlossen werden, und heute haben wir mit dem Thema Fachkräftemangel eine Brücke zu vielen dieser Trends gebaut, da Roboter erst durch diese neuen Technologien und Geschäftsmodelle eine wirklich effektive Maßnahme gegen Arbeitskräftemangel werden.
Die Robotik entwickelt sich rasant weiter und es wird die nächsten Jahre spannend bleiben.